Mit Worten fängt es an

Mit Worten fängt es an

Zu einem besonders eindrücklichen Workshop durften wir in diesem Schuljahr den Autor und ehemaligen Rapper Ben Salomo bei uns begrüßen. Im Zentrum der Veranstaltung stand ein Thema, das aktueller kaum sein könnte: Antisemitismus in unserer heutigen Gesellschaft.
Zu Beginn des Workshops schlug Ben Salomo einen historischen Bogen zur Zeit des Nationalsozialismus und erinnerte an die sechs Millionen ermordeten Juden – zwei Drittel der damaligen jüdischen Bevölkerung in Europa. Auf seine Frage ins Publikum, wer schon einmal Antisemitismus im Alltag erlebt habe, meldeten sich zunächst nur wenige. Doch als er konkreter wurde und nach Hakenkreuzschmierereien oder dem Hitlergruß auf Partys fragte, regte das zum Nachdenken an. Solche Taten, so machte er deutlich, sind nicht nur strafbar, sondern auch ein Verrat an den Opfern des Dritten Reiches. Anhand aktueller Grafiken veranschaulichte er zudem den starken Anstieg antisemitischer Vorfälle durch extremistische Gruppierungen jeglicher Art. Seine zentrale Botschaft an die Schülerschaft: Der Einsatz gegen Antisemitismus ist immer auch ein Einsatz für unsere eigene Demokratie. Um das Thema greifbarer zu machen, teilte der in Israel geborene Ben Salomo auch seine persönliche Geschichte. Bereits mit elf Jahren machte er in Deutschland erste schmerzhafte Erfahrungen mit Judenhass. Diese Erlebnisse reihen sich ein in eine familiäre Leidensgeschichte: Sein Großvater verlor im Konzentrationslager seinen Bruder und erlitt als Kind schwerste Misshandlungen durch einen Wehrmachtssoldaten.
Besonders gut konnte Ben Salomo die Jugendlichen über seinen musikalischen Werdegang erreichen. Schon durch sein authentisches Auftreten – lässig mit dem Mikrofon in der Hand, Basecap auf dem Kopf und in einer sportlichen Adidas-Trainingsjacke – holte er die Schülerinnen und Schüler vom ersten Moment an voll ab. Durch seine enorme Nahbarkeit, seine rhetorischen Fähigkeiten und nicht zuletzt seine authentische Jugendsprache zog er das Publikum auf eine überaus angenehme Art in seinen Bann. Mit seinem erfolgreichen YouTube-Format „Rap am Mittwoch“ lebte er seinen Traum und bot heutigen Rap-Größen wie Capital Bra oder Finch ein wichtiges Karriere-Sprungbrett. Doch gerade in der Rapszene und im Netz wurde er immer wieder Zielscheibe von Hass. Seine Show wurde abfällig als „Judenveranstaltung“ diffamiert, das Wort „Jude“ als Schimpfwort gegen ihn genutzt. Zudem reproduzieren bekannte Rapper wie Haftbefehl in ihren Texten bis heute gefährliche
antisemitische Verschwörungsmythen. Die ständigen Anfeindungen und schärfer werdenden Drohungen gipfelten schließlich darin, dass sein Auto während eines Auftritts angezündet wurde und völlig ausbrannte. Daraufhin beendete Ben Salomo seine Rap-Karriere.
Dass antisemitische Gerüchte auch in den Köpfen der Jugendlichen existieren, zeigte eine eindrückliche Aufstehrunde im Workshop. Bei Aussagen wie „Juden sind alle reich“ oder „Juden kontrollieren die Medien“ sollten diejenigen aufstehen, die diese Vorurteile schon einmal gehört hatten. Am Ende standen fast alle im Raum – ein wichtiger Aha-Effekt für die Schülerinnen und Schüler.
Abschließend legte der Ex-Rapper noch eindrücklich dar, dass Antisemitismus in vielen "unfreien Gesellschaften" grassiert und flankierend dazu auch andere gesellschaftliche Gruppen sukzessive benachteiligt oder sogar entrechtet werden. Insofern lohne sich der Einsatz für Demokratie durch jeden einzelnen Bürger, wie oben schon mal erwähnt, in jedem Fall. Und am besten beginne man damit, sich zu informieren und für die Meinungsfreiheit einzutreten, so Salomo in seinem Schlussappell.
Die SOR-Gruppe der RS am Europakanal